Bergfichtenwald

Thüringer Fichtenwälder sind vom Menschen gemachte "Holzplantagen". Nur auf den Kammlagen wächst heute noch sehr kleinflächig eine ursprüngliche Waldgesellschaft: Der Bergfichtenwald.

Die kälteresistente Fichte und die genügsame Vogelbeere können neben nur wenigen anderen Arten die harten Lebensbedingungen ertragen. Hohe Schneelage, mehrmonatiger Winter und Spätfröste prägen das Wuchsbild der Fichten.

Durch Schneebruch entstehen Bäume mit mehreren verkrüppelten Spitzen. Die Schneelast drückt die Äste nach unten, so dass sie eng zum Stamm geneigt sind.

Wegen des rauen Klimas wachsen die Bäume sehr langsam.

Geringe Lufttemperatur im Schatten des Altbestandes und ungünstige Wuchsbedingungen in bodenkalter Nadelstreu lassen nur eine spärliche Verjüngung zu.

Der Fichtenjungwuchs gedeiht vor allen auf dem Moderholz gestürzter Bäume und auf sonnendurchwärmten Lichtungen.

Eingesprengte Moore und Felskuppen bereichern diesen Lebensraum. Den feuchten Boden bedecken Moose und Flechten. Typisch sind Heidelbeere und Europäischer Siebenstern.

Nadelwälder

Der ursprüngliche Thüringer Wald war ein Mischwald aus Rotbuche, Fichte und Weißtanne. Reine Fichtenbestände beschränkten sich auf die rauhen Kammlagen. Starke Holznutzung im 16. bis 18. Jahrhundert (Köhlerei, Glasindustrie, Bergbau etc.) führte neben dem Schrumpfen der Gesamtwaldfläche vor allem zum Rückgang des Buchenanteils. Wiederaufforstungen erfolgten mit raschwüchsigen Nadelbäumen, die heute 70% der Waldfläche Thüringens bedecken. 

Unsere heutigen Nadelwälder sind typische Forste, d.h. vom Menschen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geschaffene Wälder.

Die Fichte (Picea abies) ist mit einem Anteil von 48% der häufigste Waldbaum Thüringens. Fichtenforste sind artenarme, anfällige Lebensräume, während die ursprünglichen Fichtenwälder reich strukturierte Ökosysteme waren.

Nur in naturnahen, reich gegliederten Nadelholzbeständen lebt der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), die kleinste Eule Europas. Sein Brutbestand in Thüringen schwankt um 130 Brutpaare.

Die kleinsten Vögel Europas sind jedoch die Goldhähnchen. Sie verzehren täglich ca. 5 Gramm Insekten, soviel wie sie selbst wiegen. Mehr als das Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapillus) ist das Wintergoldhähnchen (Regulus regulus) ein typischer Nadelwaldbewohner.

Die relativ anspruchslose Kiefer (Pinus sylvestris) wächst auch auf weniger guten Böden, so vor allem in den Buntsandsteingebieten Ostthüringens und der Rhön.

Die gekrümmten Schnäbel der Fichtenkreuzschnäbel (Loxia curvirostra) sind Voraussetzung, um an die Samen geschlossener Fichten- oder Kiefernzapfen zu gelangen. Pro Samen benötigen sie dazu 1,5 Sekunden. Vögeln mit „normalen" Schnäbeln ist diese Nahrung nicht zugänglich.

Auf wärmebegünstigten Muschelkalk- und Buntsandsteinstandorten Thüringens siedeln Wacholderheiden. Landschaftsprägend ist hier der Gemeine Wacholder (Juniperus communis). Wacholderheiden sind Relikte einstiger Weidewirtschaft und beherbergen eine Fülle bestandsbedrohter Pflanzen- und Tierarten.

Die seltenste heimische Nadelbaumart ist die Eibe (Taxus baccata). Ihre bedeutendsten natürlichen Vorkommen im Osten Deutschland liegen in Thüringen. Hier wachsen etwa 23.000 Eiben. Sie bilden keine reinen Bestände, sondern sind Begleithölzer der Rotbuchenwälder.