Buchenwälder

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist in Mitteleuropa der typische und konkurrenzfähigste Baum niedriger Lagen und der Mittelgebirge, vor allem auf kalkhaltigen Standorten. Auch im größten Teil Thüringens wuchsen seit der Eiszeit Buchen und Buchenmischwälder. Die meisten dieser Flächen wurden etwa seit 1750 mit standortfremden Fichten und Kiefern aufgeforstet. Bei voller Belaubung gelangen in einem Buchenwald nur etwa 2 % des vollen Tageslichtes auf den Waldboden. Über 20 % der Niederschläge verbleiben in den belaubten Baumkronen. Buchenwälder sind daher in der Regel arm an Unterholz und Krautschicht. Die lichtbedürftigen Frühblüher entgehen den ungünstigen Bedingungen durch zeitiges Erscheinen vor dem Laubaustritt der schattengebenden Holzgewächse. Alle Frühblüher sind mehrjährige Pflanzen mit Speicherorganen oder Überwinterungsknospen.
Das Bingelkraut kann bei sehr wenig Licht gedeihen und bleibt bis zum Herbst hin grün. In seinen kräftigen Wurzeln, die wesentlich zur Steilhangbefestigung beitragen können, finden sich Blausäure abspaltende Glycoside. Die Blätter dagegen sind ungiftig.
Das Schattenblümchen ist eine sommergrüne Schattenpflanze (Name!), die gern in Begleitung des Bingelkrautes wächst. Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch die Fliegen. Bei ausfallendem Inseketenbesuch ist wegen der senkrechten Stellung der Blüten spontane Selbstbestäubung durch Pollenfall leicht möglich.
Die Waldschnepfe zeigt als einzige heimische Schnepfenart eine Bindung an Gehölze. Sie brütet in reich gegliederten Hochwäldern, die eine Mindestgröße von 50 ha besitzen müssen. Nur das Weibchen kümmert sich um Gelege und Jungvögel. Bei Annäherung von Feinden drückt es sich dicht an den Boden.
Der Schwarzspecht ist in der Lage, in Bäume noch vor deren natürlichen Alterungs- und Zerfallsphase große Höhlen zu zimmern. So schafft er Brutmöglichkeiten auch für andere Höhlenbrüter. Da in unseren Wirtschaftswäldern der Anteil von höhlenreichem Tot- und Altholz verschwindend gering ist, wird der Schwarzspecht zur "Schlüsselart" für eine Vielzahl von Tieren, die auf große Höhlen angewiesen sind. Der Schwarzspecht ist in Mitteleuropa ein typischer "Buchenspecht". Zur Anlage einer Nisthöhle bevorzugt er glattrindige, hochstämmige Buchen. Diese müssen in Höhlenhöhe einenen Mindestdurchmesser von 40 cm haben. In der Regel sind dies Bäume mit einem Alter von mehr als 100 Jahren.
Der Siebenschläfer verbringt in der Regel die Zeit von Mitte Oktober bis Mitte Mai im Winterschlaf (Name!). Dazu dienen bis zu 1 m tiefe selbstgegrabene Höhlen im Boden, die weder Nistmaterial noch Vorräte enthalten. Um diese Zeit zu überstehen, fressen sich Siebenschläfer im Herbst ein Fettpolster an. Solche Quartiere und Brutplätze für die 4 - 6 Jungen sind häufig Schwarzspechthöhlen.
Die Hornisse ist die größte Wespenart. Ihre oft sehr großen Nester werden gern in Baumhöhlen angelegt. Als Baumaterial wird zerkautes, morsches Holz verwendet. Im Nest herrscht eine konstante Temperatur von etwa 31°C. Entgegen einer weitverbreiteten Meinung sind Hornissen weniger aggressiv als die meisten Menschen. Sie leben räuberisch und ernähren sich von verschiedenen Insekten.



