Harzung

Im Verlaufe der Menschheitsgeschichte spielte der Wald immer auch als wirtschaftlicher Faktor eine Rolle. Von den vielfältigen historischen Nutzungsformen unserer Wälder reichte die Harzung bis in die jüngste Vergangenheit. Zunächst wurden die Baumharze vor allem in den Siedereien zu Pechen verarbeitet. Später gewann man aus ihnen durch Distillation Kolophonium und Terpentinöl.

Nach dem 1. Weltkrieg war Deutschland weitgehend von der Einfuhr von Kolophonium und Terpentinöl abgeschnitten. Dies war die Geburtsstunde der deutschen Kieferharzung.

Nur im Osten Deutschlands wurde sie nach 1945 weiter betrieben und erlosch 1990 mit dem Ende der DDR.

Das Prinzip der Harzung beruht darauf, daß nach Verwundung aus der Pflanze Baumharze austreten. Diese bald darauf erhärtenden Flüssigkeiten dienen als Wundverschluß.

In den verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Epochen unterschied sich die Technologie der Harzgewinnung zum Teil erheblich. Die in den letzten Jahrzehnten in Thüringen betriebene Harzung ist durch folgende Arbeitsschritte gekennzeichnet:

Röten: Vor dem Harzen wird die grobe Borke auf der zu harzenden Fläche ("Lachte") entfernt. Stehen bleibt eine möglichst gleichmäßige 2 mm dicke Borkenschicht, die im Gegensatz zur dunkleren äußeren Borke heller rötlich aussieht.

Ziehen der Topfrinne: Nach dem Röten wird in der Mitte der Lachte eine Topfrinne gezogen. In ihr fließt das Harz aus den Schnittrillen in den Harztopf.

Reißen: Beim Reißen werden die eigentlichen Schnittrillen angelegt, die rechts und links nach oben laufen und den Lachten geharzter Kiefern ihr typisches "fischgrätenartiges" Aussehen geben. Der optimale Rißwinkel beträgt 40 °.

Das Reißen war eine körperich anstrengende Tätigkeit. Der Kraftaufwand für einen Riß entsprach etwa dem Stemmen einer Masse von 7,5 kg.

Bei jedem Reißen wurden 2 neue Risse angebracht. Dazwischen lagen Rißpausen, die es dem Baum erlaubten, das Harz in den Harzkanälen nachzubilden. In einem Jahr wurden je nach Witterung von Ende April bis Anfang Oktober 22 bis 26 Risse gezogen. Eine Kiefer konnte damit 5 bis 6 Jahre geharzt werden.

Schöpfen: Schöpfen nennt der Harzer das Leeren der Harztöpfe. Es erfolgt nach 4 bis 6 Rissen.

Das gewonnene Termentinöl fand Verwendung vor allem für die Farben- und Lackindustrie und die Herstellung synthetischen Kampfers. Die Hälfte des Kolophoniums benötigte man bei der Papierherstellung, weiterhin in der Farbenindustrie und bei der Produktion von synthetischem Kautschuk.