Tiere der Flussauen: Zurückgekehrt

Zwei wasserbewohnende Säugetiere, Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) haben an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert wieder Heimstatt in Thüringen gefunden. Beide waren durch intensive Verfolgung aus weiten Teilen Mitteleuropas verschwunden.

Wie der Mensch, ist auch der Biber in der Lage, den Lebensraum entsprechend seinen Bedürfnissen selbst zu gestalten. Er fällt Bäume, baut Dämme, staut Wasserläufe und verändert Flussufer – ein richtiger Landschaftsarchitekt. 

Die zumeist 2-4 Wohnbauten können in Uferböschungen oder als Biberburg angelegt sein. Der Eingang zum Wohnkessel ist immer unter dem Wasserspiegel. 

Die Biberburg besteht aus abgenagten Ästen, Zweigen und Schlamm. 

Während sich der Biber an Land mit seinem großen, plumpen Körper nur langsam fortbewegt, ist er ein ausgezeichneter Schwimmer. Der abgeflachte, breite Schwanz, die „Kelle“ fungiert dabei als Steuer und Antriebsruder. Dessen schuppenförmige Oberfläche diente im Mittelalter findigen Zeitgenossen als Argument, das Säugetier Biber während der unbeliebten Fastenzeit, die den Verzehr von Fleisch untersagt, zum Fisch zu „ernennen“. Biber war eine beliebte Fastenspeise.  

Biber können bis zu 20 Minuten tauchen. Ein Biberrevier umfasst etwa 2-3 km Flusslauf. Die Reviergrenzen werden mit einem Sekret aus der Afterdrüse, dem Bibergeil, markiert. Bis in das 19. Jahrhundert wurde Bibergeil in der Medizin gegen Krämpfe, Schmerzen und Epilepsie eingesetzt. Diese Wirkung beruht auf dem Gehalt an Salicylsäure, die in der vom Biber verzehrten Weidenrinde in großer Menge vor-kommt und auch Hauptbestandteil von Aspirin ist.

Das Wasser ist das Element des Fischotters - einem Marder. Sein ganzer Körperbau ist danach ausgerichtet: Die Zehen sind mit Schwimmhäuten verbunden. Wie bei einem Reißverschluss ist jedes der 80 bis 100 Millionen Haare mit dem benachbarten verzahnt. Das wirkt wasserabweisend. Darunter gespeicherte Luft bildet eine wirksame Isolierschicht. Der walzenförmige und zugespitzte  Körper bietet dem Wasser beim Schwimmen nur einen geringen Widerstand.

Anders als sein Name vermuten lässt, frisst der Otter keineswegs nur Fisch, wenngleich der seine Hauptbeute bildet. Deshalb und wegen des wertvollen, dichten Pelzes wurden die Tiere über Jahrhunderte stark verfolgt.

Heute sterben viele Fischotter an Landstraßen, die ihre Reviere zerschneiden oder verfangen sich in Reusen der Binnenfischerei. Fischotter atmen wie alle Säugetiere durch Lungen und müssen nach 6-8 Minuten zum Atmen an die Wasseroberfläche. Können sie dies nicht, bedeutet das den Tod.