Tiere der Nacht

Die auffälligste periodische Veränderung in unserer Umwelt ist der Wechsel von Tag und Nacht. Wie andere Umweltbedingungen wird auch der Faktor Licht von verschiedenen Organismen unterschiedlich genutzt. Einige Tiere mit speziell ausgebildeten Sinnenorganen haben ihre Aktivitätsphasen in die Abend- und Nachtstunden verlagert. Durch Nutzung dieser ökologischen Nische weichen sie der Konkurrenz tagaktiver Tiere im gleichen Lebensraum aus.
Die absolute Empfindlichkeit der Augen nachtaktiver Eulen ist um das 3-10fache besser als beim Menschen. Auf der Netzhaut des Waldkauzauges überwiegen die zum Dämmerungssehen notwendigen Stäbchen.
Die Augen der Eulen sind fast unbeweglich. Dafür kann zum Beispiel der Waldkauz seinen Kopf um 270 Grad drehen.
Der Dachs sieht mit seinen verhältnismäßig kleinen Augen schlecht. Die typische Signalzeichnung der Gesichtsmaske erleichtert das gegenseitige Erkennen. Dachse sind in erster Linie "Nasentiere".
Die Paarungszeit beim Dachs reicht von Januar bis Oktober. Eine solch lange Zeitspanne erhöht die Chance einer erfolgreichen Begattung. Durch Unterbrechung der Keimesentwicklung für unterschiedlich lange Zeit wird dennoch der Geburtstermin auf einen Zeitpunkt (Februar/März) verlagert, der für die Aufzucht der Jungdachse günstig ist. Solche verlängerten Tragzeiten kommen auch bei anderen Säugetieren vor.
Mehr als 4/5 der heimischen Schmetterlinge sind Nachttiere. Viele Arten haben prächtig gefärbte Hinterflügel. Diese sind tagsüber unter den perfekt getarnten Vorderflügeln verborgen.
Die Partnerfindung der Nachtfalter erfolgt auf chemischem Wege. Dabei nehmen die Männchen mit Sinnesorganen in ihren oberflächenvergrößerten, fächerförmigen Fühlern Duftstoffe der Weibchen auf. Ein Duftstoffmolekül pro m³ Luft reicht aus, um den Weg zum Weibchen zu finden. Diese Konzentration entspricht der Molekülmenge von 1 l Tinte in der Ostsee.
Auch bei anderen Organismen laufen wichtige Lebensprozesse außerhalb der Tagesstunden ab. Die Streckung der Stinkmorchel und damit die Verwandlung des "Hexeneis" zum eigentlichen Fruchtkörper erfolgt meist am späten Abend oder frühen Morgen.
Die Sporen der Stinkmorchel beginnen nach der Entfaltung der Fruchtkörper zu verschleimen. Der dabei ausströmende aasartige Geruch lockt Fliegen an. Die Fliegen nehmen mit dem Schleim auch die Sporen auf und setzen sie später mit dem Kot wieder ab. So sorgen sie für die Verbreitung des Pilzes.



