Totholz

Allein in Deutschland leben etwa 1.500 Pilzarten und 1.350 Käferarten auf Holz oder im Holz. Von rund 400 in Deutschland vom Aussterben bedrohten oder bereits verschollenen Insektenarten sind 250 Totholzbewohner.

Abgestorbene Bäume werden von zahllosen Mikroorganismen unter Freisetzung von Nährstoffen abgebaut. Die Rückführung dieser Nährstoffe in den Boden ist ein wesentlicher Faktor für die Stabilität von Waldbeständen. Sie kann durch künstliche Düngung nicht ersetzt werden.

In unseren Wirtschaftswäldern erreicht kaum ein Baum sein natürliches Alter. Er wird in seinen „besten Jahren" geerntet. Im natürlichen Zyklus von Werden und Vergehen fehlt den Holzplantagen die Zerfallsphase nahezu völlig. Relativ ursprüngliche Wälder haben auf 1 ha zwischen 50 und 200 m³ Totholz, unsere Wirtschaftswälder dagegen nur 1-5 m³. Die Alt- und Totholzfauna gehört deshalb zu den in Mitteleuropa am stärksten gefährdeten Lebensgemeinschaften. Die Forderung nach dem „sauberen Wald" ist sowohl aus wirtschaftlicher als auch ökologischer Sicht unsinnig.

Der Heldbock (Cerambyx cerdo) lebt in alten Eichenwäldern, in denen er in der Dämmerung oder nachts umherfliegt. Die Käfer suchen zur Nahrungsaufnahme Stellen auf, an denen Saft von verletzten Bäumen austritt. Die Entwicklung vom Ei zum Vollinsekt dauert drei bis fünf Jahre und vollzieht sich anfangs in der Rinde, dann im Splint und im Bast, später im Holz des Baumes. Aufgrund dieser langen Entwicklungsdauer und des geringen Totholzanteiles unserer Wälder ist der Heldbock in Thüringen vom Aussterben bedroht. 

Pilze sind Lebewesen ohne Chlorophyll. Sie geben an ihre Umgebung Enzyme ab. Diese zerlegen die Nahrung in kleinere Moleküle, die von den Pilzen aufgenommen werden können. Von allen Organismen gelingt es nur bestimmten Pilzarten, den Holzstoff Lignin abzubauen und für ihre Ernährung zu verwenden. Sogar im Holz lebende Insekten können den Holzstoff nicht selbst verwerten. Sie sind auf die Hilfe niederer Pilze angewiesen, die in ihrem Verdauungssystem angesiedelt sind.