Ausgerottet

Der Auerochse oder Ur (Bos primigenius) war das erste Großtier in Mitteleuropa, das durch den Men- schen ausgerottet wurde. Einst lebte die Stammform unseres Hausrindes in ganz Europa in den weiten Auwäldern der Flussniederungen. Die Jagd auf den Ur galt Jahrhunderte lang als fürstliches Privileg und mutige Tat. In Deutschland wurde der Ur um das Jahr 1400 ausgerottet, das letzte Exemplar dieser Art starb 1627 in den Wäldern bei Warschau. Neben der Jagd hatte vor allem die Rodung der Auwälder großen Anteil an der Ausrottung. Heute kann man noch durch zufällige Funde bei Grabungen in Flussauen auf Reste von Auerochsen stoßen.

Der letzte wildlebende Braunbär (Ursus arctos)in Thüringen fiel in der zweiten Hälte des 18. Jh den Jagdnachstellungen zum Opfer. Als größtes Raubtier Mitteleuropas galt dem Braunbär schon immer die Aufmerksamkeit als fürstliches Jagdwild. Bärenjagd war nur dem Adel vorbehalten. Die Jagd und der Stand der Jagdwaffentechnik entschieden maßgeblich die Überlebenschancen von Jäger und Gejagtem. Mit der Erfindung der Feuerwaffen war das Schicksal des Braunbären in Mitteleuropa besiegelt. Zurückgedrängt durch verstärkte Rodung der Wälder und nachfolgende menschliche Besiedelung verklei-nerte sich der Lebensraum dieser Art ständig. Der Bestand sank schon im 16. Jh. unter die für die Arterhaltung kritische Individuenzahl.

Der Luchs (Lynx lynx) war in Mitteleuropa ein wichtiger Regulator des Wildbestandes. Für den Menschen ist diese heimlich lebende Raubkatze ungefährlich, da es keinen sicheren Nachweis für einen Angriff eines Luchses auf Menschen gibt. Jagdnachstellungen und Vernichtung der natürlichen Wälder sind die Ursachen für das Verschwinden in Thüringen. Die Art benötigt ausgedehnte, abwechslungsreiche Mischwälder, er kann in den forstlichen Monokulturen kaum überleben. Die Reviergröße eines Individuums wird mit 3-10.000 ha angegeben. Der letzte bodenständige Luchs in Thüringen wurde 1819 bei Luisenthal geschossen. Sehr selten wandern Luchse aus Tschechien ein, werden aber sofort bejagt. Einer Wiederansiedlung des Luchses stehen große Bedenken über die angebliche Gefährlichkeit der Art entgegen.

Der Wolf (Canis lupus) ist das am stärksten mit nega- tiven Vorstellungen vorbe- lastete Großtier Europas. Der Stammvater des Haus- hundes lebte mit dem Men- schen in ständiger Nachbar- schaft. Konflikte ergaben sich aus der Lebensweise des Wolfe und der ständi- gen Ausweitung der Kulturlandschaft. Ackerbau und Viehzucht schufen günstige Ernährungsbedingungen für den Verfolgungsjäger Wolf, der sich  hin und wie- der (meist im Winter) am Großvieh der Bauern ver- griff. Wölfe leben nur im Winter in Rudeln. Der Aus-rottungsfeldzug gegen den Wolf begann mit der Ent-wicklung der Feuerwaffen, fürstliche Treibjagden wur-den zur Regel. Der Wolf war neben Bär und Luchs ein beliebtes Jagdtier und wurde oft mit barbarischen Methoden (Wolfsangel, Fangeisen) zu Tode gequält. Der letzte Nachweis von Jungwölfen in Thüringen stammt aus dem Jahr 1718 (Mühlhausen), der letzte Wolf in Thüringen wurde um das Jahr 1860 erlegt.