Ausgestorben - Tiere ohne Zukunft

Der Prozeß des Aussterbens von Arten ist so alt wie das Leben auf der Erde. Arten entstehen, verändern sich oder sterben aus. Das natürliche Aussterbens einer Art geht über viele Jahrtausende. Der Mensch beschleunigt jedoch diesen Prozeß um mehrere Größenordnungen. Er greift damit in die Evolution von Arten ein, ohne die Folgen erkennen zu können.
Ein erstes Indiz des Aussterbens ist das Verschwinden von Arten in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes. Beispiele dafür finden sich schon im frühen Mittelalter. In den meisten Fällen handelt es sich um direkte (Jagd) oder indirekte Ausrottung (Vernichtung des Lebensraumes) und nicht um natürliches Aussterben. Nur selten sind natürliche Prozesse wie die Klimaveränderung mit beteiligt.
In Thüringen starben im 20. Jahrhundert mehr Tierarten aus, als in allen Jahrhunderten zuvor. Da es sich bei den mindestens 400 ausgestorbenen Arten zu 80 % um kleine und unscheinbare wirbellose Tiere handelt, wird dies auch heute kaum bemerkt.
Die Großtrappe brütete noch bis 1956 in Thüringen. Dieser imposante Kranichvogel bevorzugt offene und weite Äcker und Wiesen. Die Nahrung besteht vorwiegend aus Sämereien und kleinen Insekten. Großtrappen sind sehr scheu, ihre Fluchtdistanz beträgt mehrere hundert Meter. Hauptursache für den drastischen Rückgang ist der moderne industrialisierte Landbau mit allen Nebenwirkungen wie Biozideinsatz, Großfelderwirtschaft und "Flurbereinigung". Die Verdrahtung der Landschaft (Stromtrassen) fordert bei dieser Art viele Opfer, da die schwerfälligen Flieger häufig in Hochspannungsleitungen verunglücken .
Der Steinsperling wurde letzmalig 1931 als Brutvogel in Thüringen gesehen. Als Südeuropäer lebte er im offenen Gelände um Burgen und Dörfer der Muschelkalkhänge nördlich und südlich des Thüringer Waldes. Im Drei-Gleichen-Gebiet südwestlich von Erfurt hatte er sein letztes stabiles Vorkommen. Die Ursachen des Rückganges sind unklar.
Den weitaus größten Anteil unter den ausgerotteten Tieren stellen die Insekten dar. Bei vielen Arten ist der Zeitpunkt des Verschwindens nicht registriert. Oft kann nur der Spezialist der einzelnen Insektengruppe Auskunft darüber geben, ob eine Art ausgestorben ist oder nicht.
Hauptursache ist fast jede immer die Vernichtung der Lebensräume, keine Art ist wie bei einigen Wirbeltieren bisher gezielt ausgerottet worden.



