Landwirtschaft und Natur

Durch Ackerbau und Viehzucht wurden in Mitteleuropa viele Tier- und Pflanzenarten der offenen Landschaft gefördert. Sie besiedelten Felder, Wiesen sowie deren Randbereiche und bildeten eigenständige Lebensgemeinschaften. Diese Tiere und Pflanzen erfüllen wichtige Funktionen im Naturhaushalt, wie die Blütenbestäubung (Bienen, Hummeln u.a.) und den Abbau von organischen Material (z.B. Dungkäfer, Fliegen, Regenwürmer).
Jahrhundertelang wurde in Thüringen Landwirtschaft ohne Einsatz von Kunstdünger und Bioziden betrieben. Heute werden sie in großen Mengen eingesetzt, um immer mehr auf der vorhandenen Fläche zu produzieren.
In der Bundesrepublik Deutschland werden jährlich etwa 3,5 Mill. Tonnen Dünger und 54.000 Tonnen Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausgebracht. Im Getreideanbau sind das durchschnittlich 295 kg Düngemittel auf einen Hektar (statistisch ermittelter Wert).
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird nicht exakt erfaßt, sondern nur in aufgewendete DM pro Hektar angegeben. Schätzungen zufolge kommen auf einem Hektar im Jahr etwa 90 Liter "Pflanzenschutzmittel"-Konzentrat Herbizide, Insektizide, Fungizide) in 8 - 10 Spritzungen auf Getreidefeldern zur Anwendung.
In dieser Bilanz ist der bedarfsweise Einsatz von Giften gegen Nagetiere ebenso wenig eingerechnet, wie die Anwendung von Saatgutbeize und Halmstabilisatoren.
Wie die Rückstände dieser Chemikalien auf Mensch, Tier und Pflanze wirken ist ebenso wenig bekannt, wie ihre Langzeitfolgen im Boden, im Wasser und in der Nahrung.
Der naturnahe Landbau geht im Gegensatz zum industriellen Landbau schonender mit den natürlichen Rohstoffen Boden und Wasser um. Gegenwärtig werden jedoch weniger als 1 % der gesamten Anbaufläche dafür genutzt.
Feldraine - Artenvielfalt im Grenzbereich
Feldraine sind Lebensräume inmitten der Ackerlandschaft. Sie entstanden entlang der Äcker zwischen den verschiedenen Feldfrüchten und als Besitzgrenze. Die höchstens 3m breiten Streifen wurden einmal im Jahr gemäht. Dort schichtete man auch die störenden Ackersteine zu "Lesesteinhaufen" auf, die zusammen mit angepflanzten Obstbäumen die Biotopstruktur der Raine erhöhten.
Auf diesen schmalen Streifen siedeln sich viele Tierarten an. Grundlage dafür ist eine Fülle an Blütenpflanzen, die ganzjährig Nahrung bieten. In einem 100 m langen und 3 m breiten Feldrain leben oft 20 Tagfalterarten. Bis zu 8 Hummelarten können sich hier ungestört fortpflanzen. Auch Vogelarten wie Rebhuhn und Steinschmätzer finden Nahrung und Schutz für die Aufzucht des Nachwuchses.
Durch geschickte Verzahnung von Acker, Feldrain, Feldgehölz und Wiesen kann der Einsatz von Bioziden verringert oder überflüssig werden. In Feldrainen leben viele Tierarten, die sich auch von "Schädlingen" ernähren. Dieser meist unbeachtete Lebensraum mit seiner besonderen Artengemeinschaft sollte unbedingt erhalten und gefördert werden.



