Trockenrasen - Lebensraum mit Extremen

Fast alle Trockenrasen in Thüringen entstanden durch Waldrodung und anschließende Nutzung als Schafweide, Mahdwiese oder Streuobstwiese. Auf wasserundurchlässigen Keuperböden bildeten sich an einigen Hängen im Thüringer Becken vegetationslose Freiflächen: "badlands" (amerikanisch: schlechtes Land). Die ständige Gesteinsverwitterung der "badlands" ist ein charakteristisches Bild im Drei-Gleichen-Gebiet südwestlich von Erfurt. Hier spülen Niederschläge fast jedes Samenkorn weg. Übrig bleibt der nackte Boden mit seinem Farbenspiel von rotbraun und blaugrau. Nur an flacheren Stellen gelingt es einigen ausdauernden Pflanzen, sich anzusiedeln. Am Hangfuß und in Bodensenken finden die Arten der Trockenrasen jedoch ideale Bedingungen. Trockenrasen auf Kalk- oder Gipsgestein sind Resultate des stark wasserdurchlässigen Bodens. Niederschläge versickern durch kleinste Spalten und Klüfte im Gestein. Nur wenige Tiere und Pflanzen vertragen in dieser Trockenheit sowohl starken Bodenfrost im Winter als auch die pralle Sommersonne. Die Bodenfläche erwärmt sich am Tage bis auf 60°C.
Ein Drittel aller bei uns gefährdeten Arten leben auf Trockenrasen. Sie sind auch heute auf menschliche Hilfe angewiesen. Unterbleibt die Nutzung, verbuschen die Trockenrasen, bis sie schließlich wieder vollständig bewaldet sind.



