Weide - extensiv genutzter Lebensraum

Außerhalb der Bergregionen Thüringens wurden weite Teile der Flußniederungen als Rinderweiden genutzt. Das bis weit in den Frühling hinein feuchte Grünland ließ eine Nutzung als Acker nicht zu. Die regelmäßige Beweidung durch Rinder verdrängte viele Pflanzenarten, war aber zugleich Vorraussetzung für die Entwicklung einer charakteristischen Tiergemeinschaft mit eigenständigen Naturkreisläufen.
Die Exkremente der Rinderherde wirken als Düngung. In Kuhfladen enthaltene Nährstoffe werden von den Myriaden sich darin entwickelnder Insekten und anderer Wirbelloser umgesetzt. Unverdauliche Reste nutzen Pilze als Nährboden. In relativ kurzer Zeit ist der Kuhfladen verschwunden. Die Insekten wiederum dienen den Mäusen und Vögeln als Nahrung. Die "Endverbraucher" Steinkauz und Weißstorch decken einen großen Teil ihrer Nahrung mit dem Verzehr von Mäusen, Regenwürmern und größeren Insekten ab.
Der Weißstorch erscheint in Thüringen etwa Mitte März und beginnt im April mit der Brut. Die drei bis fünf Jungen schlüpfen im Mai. Ein Brutpaar mit 3 Jungen benötigt während des gesamten Aufenthaltes im Brutgebiet insgesamt etwa 300 kg Nahrung. Die Hauptnahrung sind nicht Frösche sondern Mäuse, Maulwürfe, Insekten und andere Wirbellose. Weißstörche überwintern im tropischen Afrika. Die mitteleuropäische Population zieht auf zwei Wegen ins Winterquartier: Nach Westen über Spanien, Gibraltar (Westzieher) und über den Bosporus, Kleinasien (Ostzieher). Mitten durch Thüringen verläuft die Trennlinie (Zugscheide) zwischen Ost- und Westziehern. Akute Gefährdungsursachen sind die Vernichtung der Nahrungsbiotope (artenreiche Wiesen) und die zunehmende Verdrahtung der Landschaft durch Starkstromleitungen.
Der einst weitverbreitete Steinkauz kommt nur noch an wenigen Plätzen in Thüringen vor. Der Steinkauz jagt auf kurzrasigen, individuenreichen Wiesen. Seine Nahrung besteht vorwiegend aus Kleinsäugern, Insekten und Regenwürmern. Als Brutplätze nutzt er gern Hohlräume in alten Obstbäumen oder in Kopfweiden. Brutzeit sind die Monate März bis Mai. Während der Wintermonate zieht der Steinkauz sich meist in alte Scheunen an Dorfrändern zurück. Der Rückgang dieser Art ist das Resultat der Zerstörung seiner Brutplätze und der Vernichtung der an Nahrungstieren reichen Wiesen.



