Alles im Fluss

Fließgewässer waren zu allen Zeiten Lebensadern und damit wichtige Vorraussetzungen für die Entstehung großer Siedlungen. Flüsse lieferten Speis und Trank, waren wichtige Transportwege und Energielieferanten. Zugleich dienten sie als wichtigste Entsorgungs-leitung, die spätestens beim nächsten Hochwasser allen Unrat mit-nahmen. Es war gewissermaßen alles im Fluß zu finden.

In Erfurt standen im Mittelalter an den zahlreichen Armen der Gera Wassermühlen; auf dem Fluß wurde vor allem Bauholz aus dem Thüringer Wald bis in die Stadt geflößt. Die Geraarme wurden im Laufe der Jahrhunderte zur Verteidigung, zur Wasserversorgung und Abwasserentsorgung ausgebaut. Die Namen deuten noch heute auf die ursprünglichen Zweckbestimmungen einzelnen Arme hin (z.B. Gerberstrom) und sind wichtige Zeugen der Stadtentwicklung.

Fließgewässer sind in Städten zumeist stark eingeengt, ihr Lauf begradigt und verkürzt oder gar ganz unter die Erde verlegt. Immer wieder werden auch erhebliche Mengen Abwasser eingeleitet. Die fortschreitende Versiegelung städtischer Flächen führt bei Regen zu sporadischen, aber dann extremen Abflußspitzen.

Aus all den Gründen leben an und in solchen städtischen Fließ-gewässern vergleichsweise wenig Arten. Dennoch sind diese Bereiche wichtige Lebensräume in der Stadt, die als grünes Band zugleich den Kontakt zum Umland herstellen und Tieren die Wanderung in die Stadt ermöglichen. Durch den Bau von Kläranlagen hat sich die Be-lastung der Gewässer in den letzten Jahren deutlich verringert und etliche Arten haben diesen Lebensraum wieder erobern können.

 

Die Schermaus (Arvicola terrestris) ist die größte heimische Wühlmaus. Sie lebt vorwiegend unterirdisch in selbst gegrabenen Bausystemen. Jedes Tier hat sein eigenes Baurevier, welches gegen andere Artgenos-sen verteidigt wird. Die Baue werden durch Scharren ständig erweitert und umgebaut. Die dabei ausgeworfenen Erdhaufen ähneln denen des Maulwurfes. Schermäuse ernähren sich von unterirdischen Pflanzen-teilen und sind häufig in der Nähe von Wasserflächen anzutreffen, daher auch die volkstümlichen Bezeichnungen "Wasserratte" und "Erdratte" für die Art. 

 

Elritzen (Phoxinus phoxinus) sind lebhafte, in Schwärmen lebende Kleinfische. Sie trifft man bevorzugt in klaren, kühlen und sauerstoff-reichen Fließgewässern und nährstoffarmen Seen an. Zur Laich-abgabe unternehmen sie kurze Wanderungen zu sandigen und kiesigen Stellen. Durch den Gewässerausbau werden immer mehr solche Stellen zerstört. Deshalb ist diese Art in ihrem Bestand gefährdet. Während der Laichzeit gehören Elritzen zu den farbenprächtigsten Fischen unserer Gewässer.