Das Grün der Stadt

Städtisches Grün erfüllt wichtige Funktionen: vegetationsbedeckte Flächen sind an heißen Tagen deutlich kühler, sie wirken als Wasserspeicher und mildern somit das trockene und heiße Stadtklima. Die Pflanzen binden zudem erhebliche Mengen Staub.

Grünflächen besitzen einen hohen Freizeit-, Erholungs- und Erlebniswert. Dementsprechend sind vegetationsreiche Orte der Stadt auch wichtige Flächen des Treffens und der sozialen Kontakte. Sie werden deshalb zumeist nach repräsentativen Gesichtspunkten gestaltet und gepflegt.

Die Flora von innerstädtischem Brachland ist demgegenüber erstaunlich artenreich. Aufgrund der spezifischen Standortbedingungen können sich hier Arten ansiedeln, die in wärmeren und trockeneren Regionen heimisch sind.

Zusammen mit angepassten heimischen Arten sind neue, urbane Lebensgemeinschaften entstanden, die für Innenstädte typisch sind. Diese "Spontanvegetation" ist den Standorten optimal angepasst und daher vital. Ohne, dass kostenintensive gärtnerische Pflegemaßnahmen erforderlich sind, wirken diese Flächen sich günstig auf die Lebensbedingungen in der Stadt aus (Klimaverbesserung, Staubfilterung, Schadstoffbindung und Grundwasseranreicherung). Da sich das Erscheinungsbild der "wilden" Brachflächenvegetation deutlich von dem traditioneller, gepflegter Grünanlagen abhebt, bietet es wertvolle Alternativen für Erholungssuchende, denen an Naturkontakten gelegen ist.

Die Wilde Möhre (Daucus carota) ist eine wärmeliebende Pflanze, die aus dem Mittelmeergebiet stammt und heute nicht nur in ihrer Stammform als verbreitete Ruderalpflanze auftritt. Ihre zusammengesetzte weiße Dolde, die sich nach der Blüte schlüsselförmig zusammenzieht, aber auch die anstelle des mittleren Döldchens häufig gebildete dunkle Blüte gaben Anlass zu Namen wie Vogelnest oder Mohrrübe. Die Wurzel der kultivierten gelben Rübe oder Karotte enthält sichtbar große Mengen des Farbstoffes Carotin, der darüber hinaus im gesamten Pflanzenreich als "Lichtantenne"  (Photosynthese) in grünen Blättern vorkommt und die Vorstufe des Vitamin A ist.

 

"Im Grunde sind es ja nicht wir, die den Baum schützen: Er ist es, der uns Schutz gewährt."

Ernst Jünger