Felsbrüter

Schon früh besiedelten freilebende Tiere den Lebensraum "Stadt".
Die mittelalterliche, befestigte Stadt hatte jedoch fast kein Grün. Ihre Tierwelt bestand deshalb vor allem aus Felsbewohnern, denn Gebäude sind für Tiere bizarre Felsen. Es sind Arten, die wir auch heute noch in den eng bebauten Gebieten der Stadt und auf Türmen antreffen können. Das wärmere Stadtklima, ein recht gutes Nahrungsangebot sowie die Armut an tierischen Feinden erleichterten die Besiedlung der Stadt.
Verwilderte Haustauben (Columba livia f. domestica) trifft man heute in allen Großstädten Europas, Amerikas und Asiens. Sie stammen von der Felsentaube ab und leben in Einehe. Aus den zwei Eiern schlüpfen nach ca. 17 Tagen die Jungen. Sie werden anfangs mit einem quarkartigen Brei, den die Kropfschleimhaut bildet (Kropfmilch), gefüttert. Nach vier bis fünf Wochen sind sie flügge.
Durch reichliches Nahrungsangebot und die künstliche Beleuchtung brüten Haustauben in den Städten auch im Winter und es kommt so zu sieben bis neun Bruten im Jahr. Während sich viele Menschen an den Tauben erfreuen, zerfrisst deren ätzender Kot Dachrinnen und Naturstein. Die Reinigung der betroffenen Gebäudeteile verschlingt erhebliche Geldmengen. Die künstliche Fütterung ermöglicht einen sehr hohen Bestand, der Krankheiten und einen starken Befall mit Parasiten begünstigt. Insbesondere Bettwanzen und Zecken können dabei auch auf Menschen übertragen werden.
Die Dohle (Corvus monedula) brütete ursprünglich an Felswänden und in Baumhöhlen. Heute besiedelt sie überwiegend Bauwerke, Ruinen, Mauern und Schornsteine in Städten und Dörfern. Ihre Nahrung sucht sie generell in offenen Landschaften mit niedriger und lückiger Vegetation. Dohlen sind mit 2 Jahren geschlechtsreif, suchen sich aber bereits ab dem 5. Lebensmonat einen Partner (Verlobung). Anfangs ist ein Partnerwechsel nicht ungewöhnlich. Hat die Paarbindung ca. sechs Monate überdauert, hält sie in der Regel bis zum Tod des Partners. Dohlen leben in Schwärmen mit strikter Rangordnung, wobei das Weibchen mit Beginn der Paarbindung auf die Rangposition des männlichen Partners rückt.
Die Mauersegler (Apus apus) sind von allen heimischen Vögeln am vollkommensten an das Luftleben angepasst. Sie fressen, trinken und begatten sich im Fluge, sammeln in der Luft ihre Nestbaustoffe und schlafen sogar im Fliegen. Im Gegensatz zu den Schwalben, mit denen sie nicht verwandt sind, halten sie sich zumeist in den höheren Luftschichten auf. Mauersegler sind Charaktertiere fast aller Städt und brüten meist in Kolonien. Sie halten sich jedoch nur kurz in unseren Breiten auf. Meist erscheinen sie erst Ende April/Anfang Mai und ziehen schon Anfang August in ihr Überwinterungsgebiet nach Zentral- und Südafrika.



