Geister der Nacht

Fledermäuse sind für viele Menschen unheimliche Geschöpfe – gerade weil sie eine recht heimliche Lebensweise haben. Als Wesen der Nacht wecken sie abergläubische Vorstellungen, die noch immer die Einstellung vieler Menschen zu diesen Tieren prägen.

Als einzige Säugetiere beherrschen sie den aktiven Flug. Die Flughaut ist zwischen den langen Finger- und Mittelhandknochen aufgespannt. Sie fliegen gewissermaßen mit den Händen durch die Dunkelheit. Dabei "sehen" sie mit den Ohren: sie orientieren sich durch Echolot an der eigenen Stimme. Dazu stoßen sie fortwährend Laute im für uns nicht wahrnehmbaren Ultraschallbereich aus; Laute, die wir allerdings mit technischen Geräten nachweisen können. Diese Ultraschallwellen treffen auf Objekte, werden reflektiert und durch das Ohr der Fledermaus wieder aufgenommen. Mit diesem "Hörbild" entdeckt sie Hindernisse und ortet auf diese Weise auch ihre Beute. Aus der Zeitdifferenz zwischen ausgesendeten und empfangenen Impulsen kann die Fledermaus auch deren Entfernung, Flugrichtung und Geschwindigkeit ermitteln.

Von den 22 in Deutschland lebenden Fledermausarten treffen wir etliche in menschlichen Siedlungen an. Sie sind alle Insektenjäger. Aber sie jagen ihre unterschiedliche Beute auf recht verschiedene Weise, wie folgende Beispiele verdeutlichen: Wenn der Abend dämmert mischen sich unter die letzten Schwalben und Mauersegler bereits die ersten "Schwalben der Nacht".

 

Abendsegler. Die langen, schmalen Flügel weisen ihn als schnellen Flieger des freien Luftraumes aus, der auch weite Strecken im rasanten Flug bewältigt. Die mäßig großen, ledrigen Ohren liegen für den schnellen Jagdflug "schnittig" am Kopf. Er findet seine Beute meist hoch über den Wipfeln der Bäume. Den Tag verbringt er gesellig mit anderen Artgenossen in einer Baumhöhle.

Das Braune Langohr verdankt seinen Namen den riesigen Ohren, die fast Körperlänge erreichen. Diese gewaltigen Hörtrichter sind nötig, um im Gewirr raschelnder Blätter und Zweige die Flattergeräusche von Nachtfaltern und Krabbeltöne von kleinen Käfern herauszuhören. Dabei gaukelt das Tier in einem langsamen, fast schmetterlingshaften Flug in den Baumkronen umher und kann durch einen Rüttelflug auch auf der Stelle verharren. Bei uns lebt noch eine zweite, zum Verwechseln ähnliche Langohrfledermaus: Das Graue Langohr. Auch in ihren ökologischen Ansprüchen unterscheiden sich beide Arten kaum, das Graue Langohr ist lediglich etwas wärmebedürftiger.

Das Große Mausohr ernährt sich hauptsächlich von Laufkäfern. Dazu patrouillieren sie in knapp einem Meter Flughöhe über den Boden und lauschen mit ihren großen Ohren nach den Krabbelgeräuschen ihrer Beute. Sobald sie ein verräterisches Rascheln hören, stürzen sie sich darauf oder landen kurz davor, um den Käfer am Boden greifen zu können. Bei dieser Jagdform ist allzu dichte und hohe Vegetation sehr hinderlich, weshalb wir das Große Mausohr wir in lichten Wälder, Parks und auf solchen Wiesen und Weiden antreffen, wo ihnen weder hohes Gras noch eine dichte Krautschicht den Zugriff auf die Käfer versperren.