Turmfalken

Der Turmfalke baut, wie alle Falken, sein Nest nicht selbst. Er nutzt als Brutplatz alte Nester anderer Greifvögel, Krähen oder Fels- bzw. Mauernischen. Letztere sind im turmreichen Erfurt reichlich vorhanden, werden aber zunehmend zur Taubenabwehr verschlossen oder gehen durch Sanierungsarbeiten verloren. Künstliche Nisthilfen können Ersatzbrutplätze schaffen. 1993 brüteten im Stadtgebiet von Erfurt 60 Turmfalkenpaare. Die 3-6 Eier werden in einer ausgescharrten Nestmulde abgelegt und 24 Tage bebrütet. Der Bruterfolg ist abhängig von der Dichte der Wühlmäuse, der Hauptnahrung der Turmfalken. Diese werden im Stadtrandbereich erbeutet. Dazu benutzt der Turmfalke im wesentlichen 2 Jagdtechniken: die Ansitzjagd und die Flugjagd.
Die Ansitzjagd wird von einer erhöhten Warte (Telegrafenmast, Zaun, Baum u.s.w.) ausgeführt, von wo aus der Falke seine Umgebung beobachtet und beim Auftauchen eines Beutetieres zustößt. Für die Flugjagd ist das "Rütteln" typisch. Mit schnell ausgeführten Flügelschlägen und steil nach oben angestelltem Körper "steht" der Falke dabei scheinbar in der Luft. Die Flugjagd ist sehr anstrengend und energieaufwendig und bedeutet nur bei hoher Dichte an Mäusen einen energetischen Gewinn.
Die ausgeflogenen Jungfalken verlassen das Brutgebiet etwa ab Juli. Dabei führen sie oft sehr weite Wanderungen durch. Ein junger Turmfalke, der auf dem Balkon einer Neubauwohnung in Erfurt zur Welt kam, wurde 112 Tage später in 336 km Entfernung in Baden-Württemberg gefunden. Nur etwa 1% der Turmfalken kehren zum elterlichen Brutplatz zurück.



