Giftig? - Essbar? - Schön!

Faszination Pilz: Interessantes, Amüsantes und Wissenswertes aus der Welt der heimischen Pilze
Die Welt der Pilze in Modellen von Klaus Wechsler (Bremen)
vom 22. August bis 30. November 2007
Unterstützung:
Sparkassenstiftung Mittelthüringen
Thüringer Kultusministerium
Konzept / Text:
Klaus Wechsler
Jochen Girwert
Matthias Hartmann
Raumkonzept / Graphik:
Heike Hübler
Vitrinengestaltung:
Klaus & Lise Lotte Wechsler
Technische Umsetzung:
Thomas Bierwisch
Marco Fischer
"Die einen sind zu Essen bequem, die anderen aber ein tödlich Gift" stellte schon im 1.Jahrhundert n.Chr. der griechische Arzt Pedanios Dioscurides fest. Im Stoffkreislauf der Wälder fällt ständig organische Substanz an; sie muss vollständig abgebaut werden, damit sie wieder für die Pflanzen verfügbar wird. Diese Aufgabe wird vor allem von den Pilzen erledigt.
In der oberen Bodenschicht natürlicher Wälder kommen eine Milliarde Bodenpilze je Quadratmeter vor. Die meisten sind mikroskopisch klein und leben nur wenige Tage.
Die Mykorrhizapilze sammeln Nährstoffe und leiten sie mit Wasser den Pflanzen zu. Der Großteil unserer Bäume aber auch Kräuter und Moose leben mit solchen Mykorrhiza-Pilzpartnern in einer Lebensgemeinschaft, der sogenannten Symbiose. Vor allem Bäume, die vorwiegend nährstoffarme oder trockene Böden besiedeln (z.B. Kiefern, Fichten, Eichen und Birken), könnten ohne die „Partnerpilze“ nicht existieren. Der Pilz umgibt mit einem dichten Zellnetz die Feinwurzeln des Baumes und ersetzt so deren Wurzelhaare. Damit entsteht ein „Myzelmantel“.
Das Pilzgeflecht im Boden ist dicht und sehr lang. Ein Gramm Pilzgeflecht hat eine Oberflächen 4,2 Quadratmetern; die Zellen eines Kubikzentimeters Geflecht ergeben aneinandergereiht eine Länge von 40 Kilometern. Die Symbiosepilze sind in der Lage, noch geringste Nährstoff- und Wassermengen aufzunehmen und dem Baum zur Verfügung zu stellen. Dafür entnimmt der Pilz den Wurzeln zum Leben notwendige Stoffe, vor allem Zucker, Eiweiße und Vitamine.
Weltweit dürften über 100.000 Pilzarten vorkommen. In Deutschland wurden bislang mehr als 10.000 Arten nachgewiesen; ständig kommen neue hinzu. Sie sind jedoch in den wenigsten Fällen neu eingewandert, sondern bislang aufgrund ihrer geringen Größe oder Seltenheit nur übersehen oder nicht als selbständige Art erkannt worden.
Als sicher gilt, dass in Deutschland dreimal so viele Pilzarten vorkommen wie Bäume, Kräuter, Farne, Schachtelhalme und Moose zusammen. Lediglich die Zahl der Insektenarten ist größer als jene der Pilze.
In Vorbereitung dieser Sonderausstellung und um der Ausstellung eine grössere Anschaulichkeit zu verleihen, sollen lebende Pilze gezeigt werden. Die Pilzkulturen wurden auf Stroh und auf geeignete Baumstücken angesetzt. Das dafür erforderliche Pilzmyzel wurde in mehreren Sorten von der Firma N. L. Chrestensen freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Wir entschieden uns, speziell für die baldige Sonderausstellung, für Weichhölzer, da das Pilzmyzel bei diesen schneller im Stamm durchwächst als bei Harthölzern. Die benötigten Stämme, welche frisch geschnitten wurden und ca. drei Wochen ablagerten, wurden vom Garten- und Friedhofsamt Erfurt im Jungfernstieg des Steigerwaldes bereitgestellt. Die verwen- deten Stammstärken haben dabei einen Durchmesser von 30 bis 40 cm.







