Landschaft im Wandel
Die Landschaften Mitteleuropas unterliegen seit der menschlichen Besiedlung ständigen Veränderungen, die wesentlich schneller als natürliche Prozesse verlaufen. War bis vor wenigen Jahrhunderten noch die Verdrängung der Wälder durch Ackerbau und Viehzucht vorherrschend, so bestimmt mit Beginn des Industriezeitalters die zunehmende Bebauung der Landschaft das Bild. Die gegenwärtige Bebauung und Versiegelung der Landschaft durch Gewerbeflächen und Straßenbau wird zu einem schwerwiegenden Problem im Naturhaushalt.
Die Wahrnehmung von Veränderungen der Landschaft ist beim Menschen ist vor allem auf kurzfristige Ereignisse beschränkt. Der Bau eines Hauses, die Bebauung einer Wiese oder das Abholzen eines Waldstückes werden noch bewußt wahrgenommen. Geht dieser Prozeß über mehrere Jahrzehnte und größere Flächen, werden diese Veränderungen durch Gewöhnung überdeckt. Erst wenn man Bilder der gleichen Landschaft in großem Zeitabstand betrachtet, werden die gravierenden Wandlungen sichtbar.
Die nebenstehenden Luftbilder zeigen die Veränderungen der Landschaft im Norden von Erfurt. In beiden Kartenausschnitten ist der Bereich "Roter Berg" mit dem Gelände des Thüringer Zooparks fotografiert.
Im Bild von 1953 ist die isolierte Lage des Zooparkes und der Tongrube am Roten Berg erkennbar. Der Abbau von Ziegeleiton erfolgt noch überwiegend mit Kleintechnik. Kleinflächige Felder mit unterschiedlicher Bestellung herrschen vor. Ein Kiessee in der rechten unteren Bildhälfte ist noch deutlich wahrnehmbar. Die Landstraßen sind noch nicht ausgebaut und teilweise von Bäumen gesäumt.
Nur knapp 40 Jahre später ist die Stadt nicht nur mit Wohngebieten bis zum Zoo vorgerückt, sondern an der Westseite mit Gewerbeflächen in der Geraaue vorbeigezogen. Der Rote Berg wirkt nun wie eine grüne Insel im Betonmeer. Der Kiessee ist verfüllt und ebenfalls Standort von Gewerbeflächen. Die landwirtschaftliche ist der industriellen Nutzung gewichen. Die Beseitigung der Straßenbäume ist ein markantes Merkmal für Fahrbahnverbreiterung und gleichzeitig für Verlust an landschaftsprägenden Elementen. Der Straßenbau ist mit der Schaffung eines Stadtringes und dem Ausbau der Landstraßen an der Versiegelung der Landschaft beteiligt, die damit wesentliche ökologische Funktionen, wie z.B. die Regenerierung des Grundwassers oder den Abbau organischen Materials großflächig verliert.


