Ratten

Von 570 verschiedenen Rattenformen kommen heute nur zwei Arten in Europa vor: die Hausratte (Rattus rattus) und die Wanderratte (Rattus norvegicus).

Die Hausratte ist schlanker als die Wanderratte, ihr Schwanz ist stets länger als Kopf und Rumpf. Sie ernährt sich vorwiegend vegetarisch und bevorzugt eine relativ warme und trockene Umgebung. Daher ist sie oft auf Dachböden anzutreffen, was ihr den Beinamen "Dachratte" eingetragen hat.

Im Gegensatz zur Hausratte ist die Wanderratte nicht wasserscheu, sondern schwimmt und taucht gern. Wanderratten sind ausgeprägte Allesfresser, sie fangen auch freilebende Tiere und nagen große Säuger an. Sprichwörtlich ist ihre Angriffslust, wenn sie in die Enge getrieben werden. Urheimat der Wanderratte sind die Steppen Asiens. Schon früh schloss sie sich dem Menschen an. In seiner Nähe fand sie Unterschlupf und Nahrung in Kellerräumen, Kanälen, Nahrungsspeichern und Müllbergen. Über die Schifffahrt besiedelte sie nahezu den ganzen Erdball. Heute kommt in unseren Großstädten trotz Bekämpfung auf jeden Menschen durchschnittlich eine Ratte.

Dank ihrer sozialen Organisation in Großsippen und der Vermehrungsrate ist die Wanderratte so erfolgreich. Sie kann sich bis zu siebenmal im Jahr fortpflanzen, mit jeweils sechs bis zwölf Jungen, die nach drei Monaten ebenfalls geschlechtsreif sind. Dies ergibt theoretisch im Jahr mehr als 800 Kinder und Kindeskinder. All diese Anpassungen machen die Wanderratte zum erfolgreichsten Wirbeltier der Erde.

Ratten übertragen gefährliche Krankheiten, z.B. Tollwut, Salmonellose, Trichinose und Weilsche Gelbsucht. Besonders war die Ratte gefürchtet als Auslöser der Pestepidemien. Der eigentliche Überträger dieser Seuche ist jedoch ein spezieller Rattenfloh, der nach dem Tod des Wirtstieres auf den Menschen überspringt. Die berüchtigten Pestzüge des Mittelalters gingen auf die Hausratte zurück. Später wurde der "Schwarze Tod" auch durch die Wanderratte übertragen. Eine wirksame Bekämpfung der Ratten ist schwierig. Vor allem die Wanderratte ist sehr anpassungsfähig. Durch ihre Resistenz gegenüber radioaktiver Strahlung hat sie selbst auf Inseln überlebt, die Atomversuchen dienten.

Wanderratten lassen sich andererseits leicht halten und züchten. Ihre Zuchtformen - weiße Laborratten - werden in Forschung und Lehre vielfältig verwendet. Bei wissenschaftlichen Experimenten und bei der Erprobung von Medikamenten, Kosmetika und Pflanzenschutzmitteln dienen sie aufgrund der biologischen Ähnlichkeit als "Tiermodell" des Menschen. Allein in Deutschland werden jedes Jahr mehr als eine halbe Million Laborratten "verbraucht".